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Leseprobe - We are all Fighters Round 1

Kapitel 1

Ella

 

»Und du bist dir sicher, dass wir da rein wollen?« Ich halte Maddy am Arm zurück und mustere skeptisch das Lagerhaus aus Backstein. Graffiti werden von teilweise abgeblättertem Putz unterbrochen. Buntes Licht flackert aus den Industriefenstern im oberen Stockwerk und spiegelt sich auf dem regennassen Kopfsteinpflaster wider. Harte Gitarrenriffs vibrieren in der Luft und hämmern in meiner Brust. Sie übertönen nur mühsam den Lärm der Menge vor dem Eingang, die auf Einlass wartet.

Maddy dreht sich übertrieben nickend um. »Yep. Flynn hat gesa…«

»Flynn?«, unterbreche ich sie geschockt. »Etwa die Verrückte aus deiner Firma? Die aus der Rechtsabteilung?«

»Ja, genau die. Sie datet seit einigen Monaten so ’nen Hacker Typen, der sich gerne im Darknet rumtreibt.« Sie zuckt mit den Schultern. »Aber egal. Jedenfalls ist er zufällig auf den Club gestoßen und sie hat mir davon erzählt.«

»Darknet, Maddy? Ernsthaft? Ich dachte, wir wollten in einen normalen Club. Du weißt schon, wo man tanzen kann.« Ich wedle mit der Hand in Richtung des unübersehbaren Graffiti in blutroten Lettern über dem Eingang – ›We are all Fighters‹. »Was ist das hier?«

»Ähm, ein Underground-Fight-Club?«

»Bitte was?!«, kreische ich los und handle mir prompt einen grimmigen Blick des Türstehers ein.

Maddy hechtet vor und hält mir den Mund zu. »Nicht so laut.«

Ich wische ihre Hand weg. »Du kannst mich doch nicht in einen Underground-Fight-Club schleifen.« Ich ziehe am Ärmel ihres schwarzen Blazers. »Los, wir hauen ab!«

Sie reißt sich allerdings los und stemmt die Hände in die Hüften. »Ach, komm schon, Ella.« In ihrer Aufforderung schwingt ein Hauch Verzweiflung mit, und Hilflosigkeit. Ich weiß nur zu gut, woher dieses Gefühl kommt. Sie konnte mir in den letzten sieben Monaten nicht helfen, und musste mitansehen, wie sich ihre beste Freundin immer weiter zurückzog, nichts mehr aß und von Albträumen heimgesucht wurde.

Ich werfe einen Blick auf das Lagerhaus und mir schnürt es die Kehle zu. Was mich hinter diesen alten Mauern auch erwartet, ich bin mir sicher, dass ich dafür nicht bereit bin. »Können wir nicht … ich weiß auch nicht … ins Twinkys gehen? Wir waren seit Ewigkeiten nicht mehr dort. Ich lasse dich auch bei der ersten Runde Pool gewinnen.« Mir ist alles recht, Hauptsache weg von hier.

Maddy presst ihre rot geschminkten Lippen zu einem feinen Strich zusammen, so wie immer, wenn sie ihren Kopf durchsetzen will. Innerlich seufze ich, sie wird nicht nachgeben. Das weiß ich, immerhin kenne ich sie seit zwanzig Jahren.

In dem Moment fährt ein gelbes Taxi an uns vorbei. Die letzte Chance abzuhauen?

Sie ergreift meine Hände und ich reiße mich von dem Anblick des davonfahrenden Wagens los. Mitgefühl steht in ihren mintgrünen Augen. »Nein Ella, wir werden da jetzt reingehen und Spaß haben. Wir haben das besprochen. Du musst raus aus deiner Komfortzone. Und der Club ist genau das Richtige, vertrau mir.«

Das erinnert mich an das Versprechen, das ich mir selbst gegeben habe: Ich will endlich wieder richtig leben, mich lebendig fühlen. Ich kann das schaffen, ich kann dort reingehen und den Abend irgendwie überstehen. Für sie. Und für mich. Ich will es wenigstens versuchen.

»Wenn es mir zu viel wird, gehen wir wieder, okay?«, frage ich und halte den Atem an.

Sie lächelt sanft. »Natürlich.«

Langsam stoße ich die Luft aus und straffe die Schultern. »Also gut. Aber ich schwöre dir, wenn wir im Knast landen, bringe ich dich um!«

Erfreut quietscht sie auf und zieht mich zum Eingang. »Du übertreibst. Komm jetzt.«

 

Ich hatte recht, ich bin hierfür nicht bereit. Vor mir erstreckt sich eine gigantische Lagerhalle, durchbrochen von quadratischen Betonsäulen. Die Luft ist schwül, eine widerliche Mischung aus Schweiß, Parfüm, Alkohol und … ich verziehe das Gesicht, dem süßlichen Geruch von Marihuana. Doch das ist es nicht, was mir die Luft zum Atmen nimmt. Es ist die Aggressivität, die wie ein Schwarm wildgewordener Hornissen auf mich einsticht. Also klammere ich mich an Maddy fest, während sich Menschen, vorwiegend Männer, an uns vorbei drängeln, uns schubsen und anrempeln, nur, um in den linken Teil der Halle zu gelangen. Ich versuche, nicht von dem Strom mitgerissen zu werden und folge ihm mit meinem Blick. Ein meterhoher Käfig thront auf einem Podest. Um ihn schart sich eine Horde Menschen und feuert die zwei darin kämpfenden Männer an. Ihr Brüllen zusammen mit dem dröhnenden Bass aus den Boxen, ist beinahe zu viel.

Maddy muss meine Beklommenheit bemerkt haben, denn sie legt eine Hand auf meinen Unterarm. »Alles okay?«, schreit sie über den Lärm hinweg. Eine steile Falte hat sich auf ihrer Stirn gebildet.

Nein, nichts ist okay. Am liebsten würde ich meine Beine in die Hand nehmen und davonlaufen. »Klar«, antworte ich stattdessen gepresst, wende mich von dem Käfig ab und entdecke eine Bar aus dunklem Holz auf der rechten Seite. Hinter der Theke türmen sich Spirituosen auf neonblau beleuchteten Glasplatten bis hoch zur Decke. Alkohol, vielleicht beruhigt das meine Nerven.

»Komm, holen wir uns was zu trinken.« Ich flüchte zur Bar und Maddy bleibt nichts anderes übrig, als mir zu folgen, wenn sie mich in dem Getümmel nicht verlieren will. Vor der Theke herrscht reger Betrieb, die Leute buhlen mit Geldscheinen winkend um die Aufmerksamkeit der Barkeeper. Wir finden eine Lücke zwischen zwei Männern mit langen Bärten und schieben uns zwischen sie. Maddy, trotz der zusätzlichen fünfzehn Zentimeter dank ihrer High Heels, reicht ihnen kaum zur Brust. Aber das stört sie nicht, sie verteidigt ihren Platz mit den Ellenbogen und brüllt dem Barkeeper unsere Bestellung entgegen. Ich halte mich währenddessen nahe bei ihr und schaue mich weiter um. Keine zwei Meter von der Bar entfernt, führt, flankiert von zwei Männern in Anzügen, eine Treppe hinauf zu einer Galerie. Dort oben steht ein einzelner Mann, den ich nicht genau erkennen kann, weil die schweifenden Lichter ihn nicht erreichen, aber seine Silhouette verrät mir, dass er großgewachsen und breitschultrig ist. Seine Hände umfassen das Geländer und er blickt auf die Halle hinab. Der Besitzer des Clubs? Wie er wohl aussieht? Vor meinem inneren Auge taucht ein schmieriger Typ mit Hakennase und fettigem Haar auf. Ich schüttle den Kopf. Gott, wann bin ich so zynisch geworden?

Maddy stößt mich an und hält mir eine Flasche Bier unter die Nase. »Wollen wir weiter nach vorn gehen?«, fragt sie mit aufgeregtem Blick in Richtung Käfig.

Ich nicke, wenn auch widerstrebend und wir zwängen uns an schwitzenden Männern und in Parfumwolken gehüllten Frauen in knappen Kleidern vorbei. Als wir näherkommen, stelle ich entsetzt fest, wie sehr sich der Kampf von einem normalen Boxkampf unterscheidet. Die Männer prügeln mit roher Gewalt aufeinander ein. Ich zwinge mich, nicht bei jedem Schlag zusammenzuzucken, und greife nach Maddys Hand, die ich wie einen Rettungsanker umklammere. Gibt es hier denn keine Regeln oder so was? Blut spritzt und nach endlosen Minuten liegt ein Kämpfer am Boden. Einer der Anzugtypen löst die Kette zur Käfigtür und lässt den Sieger heraus. Der tätowierte Muskelprotz lässt sich von der Menge feiern. Zwei weitere Securitys packen den Bewusstlosen unter den Achseln und schleifen ihn davon. O Mann.

Ich blicke zu Maddy, die sich schwärmend gegen meine Schulter lehnt. »So habe ich mir das vorgestellt. Muskelbepackte Männer, Blut, Schweiß und jede Menge Testosteron.«

Die Unbeschwertheit in Maddys Stimme versetzt mir einen Stich in die Brust. Früher hätte mir der Club auch gefallen, der Abend wäre das reinste Abenteuer gewesen. Doch jetzt bereitet mir das hier Gänsehaut. Seufzend schüttle ich meinen Kopf. Jacob, mein Ex, hat mir wirklich alles genommen. Aber damit ist nun Schluss. Es wird Zeit, mir mein altes Leben wieder zurückzuholen!

We are all Fighters Round 2

Kapitel 1

 

Ella

 

Stöhnend winde ich mich, ein dünner Schweißfilm überzieht meinen Körper.

»Komm schon, Baby, sag es«, höre ich Jax’ erregte Stimme. Ich schüttle den Kopf, weil ich vergessen habe, wie man spricht. Abermals tauchen seine Finger in mich ein und krümmen sich. »Sag es, sonst höre ich auf.« Er erpresst mich. Mit begnadeter Zunge und geschickten Fingern hat er mir schon zwei Orgasmen abgerungen, doch jetzt verwehrt er mir den dritten, hält mich in der Ekstase, damit ich endlich zustimme, bei Cody zu kündigen. Seine Finger gleiten aus mir heraus und ich zische frustriert.

Wenn er jetzt aufhört, sterbe ich. Bestimmend lege ich meine Hände auf seinen Hinterkopf, drücke ihn wieder hinunter und klemme ihn zwischen meinen Schenkeln ein. Sein raues Lachen direkt an meiner Klitoris lässt meine Beine wieder auseinanderfallen. O wow. Ich hebe meinen Kopf. Er beobachtet mich mit seinen smaragdgrünen Augen. Seine Zunge flattert über mein Fleisch und meine Hüften schnellen von den Geldbündeln unter meinem Hintern hoch. Ich habe mit vielem gerechnet, als ich ihm in der Bäckerei meine Fantasie ins Ohr geflüstert habe, aber nicht damit, dass er sein Geld auf Tisch und Boden verteilt und dann über mich herfällt.

»Wieso bist du nur so stur?« Sein Atem huscht über mich hinweg, meine Gänsehaut verstärkt sich.

»Keine Chance, Dagobert«, flüstere ich schwer atmend.

Er lacht leise. Der Spitzname, den er sich selbst gegeben hat, gefällt ihm offensichtlich.

Quälend langsam leckt er über meine Nässe und steht auf. »Wie du willst, dann werde ich andere Seiten aufziehen«, meint er und zupft ein paar Scheine von meinem verschwitzten Bauch, massiert ihn und wandert weiter hinunter. Seine Finger streichen über meinen Venushügel, über meinen empfindlichen Punkt, bis sie schließlich vor meinem geschwollenen Eingang liegen bleiben. Sein Kopf senkt sich und er macht sich über meine Brustwarzen her. »Letzte Gelegenheit zuzustimmen«, haucht er an meiner Haut. Weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, meine Finger über seine muskulösen Oberarme gleiten zu lassen, kann ich ihm keine Antwort geben. »Okay, wie du willst.« Erbarmungslos schiebt er seine Finger in mich.

Mit einem Schrei wölbt sich mein Rücken über zehntausende von Dollar. Meine Finger krallen sich in seine Schultern und meine Fersen drohen von der Tischkante zu rutschen. »O Gott …«

»Du darfst mich auch Jax Zauberschwanz nennen.«

Trotz des überwältigenden Drucks in meinem Inneren muss ich lachen. »Fick dich!« Anscheinend sind meine Synapsen durchgebrannt, normalerweise fluche ich nie so.

»Das werde ich gleich mit dir tun, aber zuerst mache ich das!« Er schiebt seine freie Hand unter meinen Hintern und hebt ihn an. Seine Finger in mir gleiten tiefer, drehen sich beharrlich hin und her und ich spüre, wie mir das einen Schwall meiner Erregung entlockt.

Meine Beine spannen sich an, zittern. Weil ich nicht weiß, ob ich diese Intensität ertrage, gebe ich mich geschlagen. »Bitte, ich kann nicht mehr.«

»Dann solltest du besser nachgeben.« Seine Stimme lässt mich erschaudern, oder sind es seine Finger? Benommen schüttle ich den Kopf und beiße mir auf die Unterlippe. »Na gut, du wolltest es ja nicht anders.« Er erhöht das Tempo und ich beiße fester zu, schmecke Blut und öffne meine Lippen zu einem Stöhnen.

»O Gott … JA!« Augenblicklich wird er langsamer. Mist! Habe ich das gerade wirklich gesagt? Anscheinend schon, er grinst dämlich.

»Das wollte ich hören«, triumphiert er vor sich hin und zieht sich behutsam aus mir heraus.

»Bilde dir bloß nichts drauf ein!«

»Oh doch, weil ich es sogar ohne meinen Zauberschwanz geschafft habe.«

We are all Fighters Round 3

Kapitel 1

Jax

Er weiß, wo Ella ist …

»Hat Orlow sie? Ist sie bei ihm?« Ich packe ihn am Kragen und lasse ihn gegen die Außenmauer krachen. »Antworte!«

»Ja.«

Eine gottverdammte Silbe reicht und meine Welt stürzt ein.

Dmitri Orlow hat Ella. Fuck!

»Durchsucht ihn auf Waffen und bringt ihn in den Keller«, sage ich zu den Jungs hinter mir und wende mich ab. Joe und Tank, Trevors ehemaliger Kamerad, reagieren sofort, packen ihn und bugsieren ihn in den Club.

Ich stütze mich auf die Knie und atme tief durch. Scheiße! Die ganze Zeit über dachte ich, sie wäre bei Maddox. Stattdessen … Ich verbiete es mir, darüber nachzudenken, was sie im Moment alles durchmachen muss, sonst drehe ich durch. Ich muss einen kühlen Kopf bewahren, diesmal darf ich unter keinen Umständen die Kontrolle verlieren. Ich werde da jetzt hinein gehen, ihn in die Mangel nehmen und alles daransetzen, Ella wieder zurückzuholen.

Ich lasse die zwei Verräter links liegen – darum soll sich Bill kümmern – und stoße die Tür zum Club auf. Als hätte ich ihn gerufen, kommt mir mein Sicherheitschef auf halbem Weg entgegen.

»Draußen liegen zwei Männer. Lass sie gehen, ich brauche sie nicht mehr.«

Bill eilt ohne Fragen zu stellen an mir vorbei und ich mache mich auf den Weg in den Keller.

Überrascht halte ich auf der Treppe inne, als ich Grey an der Wand lehnen sehe. Er nickt mir zu. Das ist Freundschaft, man streitet sich, tötet ein paar Menschen, tut alles, um zu verhindern, dass sich der andere nicht in der Dunkelheit verliert, obwohl derjenige das nicht will, und am Ende des Tages ist man trotzdem für einen da, wenn man ihn braucht.

Ich nicke zurück und fixiere den Mann auf dem Stuhl, der von Joe, Brandt, Tank und den anderen bewacht wird.

»Wo ist sie?«, frage ich ihn, obwohl ich schon so eine Ahnung habe.

»X-Club.«

Diesmal sind es zwei Silben und sie ziehen mir wieder den Boden unter den Füßen weg. Ich schließe die Augen, schwanke. Eine Hand legt sich auf meine Schulter. Grey. Als würde er spüren, dass ich nicht die Kraft habe, die nächste Frage laut auszusprechen, übernimmt er.

»Wie geht es ihr?«

Stille. Ohrenbetäubende, allumfassende Stille.

Ich zwinge mich, die Augen zu öffnen. Aleksey starrt mich mit schreckensweiten Augen und blassem Gesicht an. Das wäre Antwort genug, wenn ich es nicht trotzdem aus seinem Mund hören muss.

»Antworte«, knurre ich, während Wut und Verzweiflung ungebremst durch meinen Körper jagen.

Er schluckt schwer. »Deshalb bin ich hier.«

Mit einem großen Ausfallschritt bin ich bei ihm und reiße ihn vom Stuhl hoch. Jetzt befinden wir uns auf Augenhöhe. Er steht gut im Training und obwohl mir alles wehtut, werde ich ihm den Arsch aufreißen, wenn er mir nicht gleich eine konkrete Antwort liefert. »Hast du sie angefasst? Ich schwöre, wenn du …«

»Nein, habe ich nicht!«, fällt er mir ins Wort. »Sie …« Er bricht kurz ab und als er weiterspricht, löst sich meine Wut in Rauch auf. »Sie hat sich selbst verletzt.«

»Wie? Was ist passiert?« Sie würde sich nicht selbst etwas antun, nicht ohne Grund.

»Ich wollte ihr etwas zu Essen bringen. Sie hat geschrien und um sich getreten. Ich habe versucht sie zu beruhigen, aber dann … ich weiß nicht … irgendetwas ist passiert. Sie wurde mit einem Mal ganz ruhig. Ich dachte, sie hatte eine Panikattacke und erholt sich nur. Als ich nach einer halben Stunde wieder nach ihr gesehen habe, war sie …«, er verstummt und schüttelt den Kopf, »… sie war wie ausgewechselt, keine Ahnung. Sie erwähnte einen Jacob und dass er endlich weg sei. Und dann …«

Wieder ringt er nach Worten. Ich lasse ihm die Zeit, während ich einen alarmierten Blick mit Grey tausche.

»Wer hat Zugang zu ihr?«, frage ich und halte gespannt den Atem an. Innerlich wappne ich mich für die schlimmstmögliche Antwort, sofern man sich dafür überhaupt wappnen kann.

»Bis auf Orlow und mich niemand.«

»War er bei ihr?«

»Nein.«

Erleichtert atme ich aus – wenigstens etwas. »Erzähl weiter, was ist danach passiert?«

Er wirft einen Blick in die Runde. »Vielleicht ist es besser, wenn wir allein weiterreden. Es wird … privat.«

Privat? Was soll das heißen? Ich nicke. Alle außer Grey verlassen wortlos den Keller. Als die Schritte auf der Treppe verklingen und die Tür ins Schloss fällt, spricht er weiter.

»Sie hat sich zwischen die Beine gefasst.«

Ich knurre und er hebt abwehrend die Hände. Erst jetzt bemerke ich, dass ich ihn noch immer am Kragen gepackt halte. »Was ich gesagt habe, meine ich ernst. Ich habe sie nicht angefasst«, versucht er mich eilig zu beschwichtigen.

»Weiter«, presse ich durch zusammengebissene Zähne hervor.

»Ich wollte sie stoppen, aber sie hat nicht aufgehört, bis Blut …«

Ruckartig lasse ich ihn los und er verstummt. Gut so, mehr kann ich nicht ertragen. Bilder von den Fotos aus Jacobs Keller schießen durch meinen Kopf. Wie sie mit gespreizten Beinen auf diesem Tisch liegt und Blut in einem dünnen Rinnsal aus ihrer Scham läuft. Es ist alles zu viel, der Kampf, die Angst um Ella, dieses Gespräch. Ich wirble herum und komme gerade noch bis in eine Ecke des Kellers, bevor ich mich übergebe.

Sabrina Hira
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©2020 Sabrina Hira_Autorin

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