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Leseprobe - We are all Fighters "Trouble"

Kapitel 1

Maddy

 

»Ich bin hier! Ich bin hier!« Schwungvoll stoße ich die Tür zur Bäckerei auf. Die Glocke über der Tür klingelt lautstark und ein Dutzend Augenpaare richten sich auf mich. »Entschuldigung! Entschuldigung!« Ich drängle mich durch die Menge wartender Kunden vor der Verkaufstheke, die mehr oder minder genervt wirken.
»Wo warst du?« Josh, Jax’ kleiner Halbbruder, reckt den Hals, als ich an ihm vorbeistürme.
»Mr. Bennett.« Mehr muss ich nicht sagen. Jeder weiß, mein Arschloch-Boss quält mich gerne, vor allem, wenn er mitbekommt, dass ich nach Feierabend noch etwas vorhabe. Heute zum Beispiel ist ihm in letzter Minute eingefallen, ich möge doch bitte einen zwanzigseitigen Vertrag auf Rechtschreibfehler prüfen, obwohl ich das gestern schon erledigt habe.
Ich laufe durch die Backstube und versuche dabei, mir die High Heels von den Füßen zu kicken. »Ich bin hier! Hi, Ella! Tut mir leid!«
Sie antwortet nicht und in meiner Eile mache ich mir nicht die Mühe, nachzusehen, warum. Hastig reiße ich die Tür zum Pausenraum auf. »Shit!« Mitten im Schritt bleibe ich stehen, mein Heel beschließt in der Sekunde, von meinem Fuß zu rutschen. Im hohen Bogen fliegt er durch den Raum und knallt gegen Jax’ nackten Hintern. Ups!
Sein Blick trifft mich an den Beinen meiner besten Freundin vorbei, die ihm links und rechts über die Schultern hängen. »Mach mit oder verschwinde!« Für keine Sekunde werden seine kraftvollen Stöße langsamer.
Ella, die auf dem Tisch liegt, streckt den Arm in die Luft und winkt. »Hi, Maddy, ich komme gleich.«
Das glaube ich ihr gern.
»Äh … lasst euch nicht stören, ich brauche nur meine Schürze.« Ich schaffe es, auch den zweiten Schuh auszuziehen, und husche an ihnen vorbei zu meinem Spind. Dabei halte ich mir die Hand vor die Augen, halbherzig, versteht sich, denn – wow! – Jax’ Hintern ist zu ansehnlich, um keinen Blick zu riskieren.
Ella stöhnt und plötzlich habe ich es doch eilig. Ich schnappe mir meine Sportschuhe und die pinke Schürze, die sich bedenklich mit meinem pfirsichfarbenen Kostüm beißt.
Schnell verlasse ich den Raum und knalle die Tür hinter mir zu. Puh! Von dem Gevögel wird mir heiß.
Ich schlüpfe in die Schuhe, binde mir die Schürze um die Hüften und die langen Haare zu einem Dutt, während ich nach vorne zu Josh eile.
»Da bist du ja. Hier.« Er drückt mir einige ungefaltete Kartons in die Hände, die zum Verpacken der Valentinstagsköstlichkeiten gedacht sind.
Ungeschickt mache ich mich daran, sie zu falten. Meine Qualitäten liegen eindeutig woanders.
»Wo ist überhaupt Ella? Sie wollte doch nur schnell Nachschub holen.« Er fuchtelt mit einer Tortenschaufel in Richtung der herzförmigen Törtchen, von denen nur noch drei in der Auslage stehen. Himmlisch leckere Schokoladentorten mit Himbeer-Ganache und Marzipan-Rosen neben Erdbeer-Sahne-Törtchen mit luftigem Biskuitboden, frischen Erdbeeren und Vanille-Sahne.
»Sie wurde aufgehalten.«
»Aufgehalten? Von wem?« Er schiebt sich an mir vorbei, um zu kassieren.
»Jax.«
»Sag mir bitte nicht, dass mein Bruder gerade mit ihr rummacht. Er wollte nur kurz Hallo sagen.«
Er sagt Hallo – und wie er Hallo sagt – mit seinem Schwanz.
»Dann sage ich es nicht.«
Er schnaubt und wirft das Wechselgeld regelrecht in die Hände der Kundin. Der Arme ist total gestresst.
Ich blicke die Frau entschuldigend an, was sie mit einem Naserümpfen quittiert und davonstöckelt. Wenigstens sind ihre Schuhe hübsch.
»Bin da.« Ella biegt um die Ecke und richtet sich ihre postkoitale Frisur, Jax direkt hinter ihr.
»Echt jetzt, Mann?«, schnauzt Josh ihn an.
Jax zuckt ungerührt mit den Schultern und drückt Ella einen Kuss auf die Stirn. »Bis später.«
»Bis dann.« Verliebt himmelt sie ihn an und wie jedes Mal versetzt es mir einen Stich, wenn ich die beiden so zusammen sehe. Ich gönne Ella jedes Glück der Welt, aber trotzdem: Ich will das ebenfalls, alles davon. Die Aufmerksamkeit, die er ihr schenkt, weil nur sie für ihn zählt. Die Liebe in seinen Augen. Eine Liebe, die so tief geht, dass nichts und niemand sie je erschüttern könnte.
Ich habe diese innige Liebe auch in Greys Augen gesehen. Zwar nur flüchtig, aber sie war da. Und genau diese Momente reichen mir, um nicht aufzugeben. Ich werde um seine Liebe kämpfen, ganz gleich, wie weh es tut.
Jax geht und nickt zum Abschied Trevor zu, Ellas Bodyguard, den ich zu meiner ewigen Schande nicht einmal begrüßt habe.
Ella schlüpft an mir vorbei und wäscht sich die Hände, bevor sie sich freudestrahlend zu uns umdreht. »Legen wir los!«
Und das tun wir. Stunde um Stunde, Törtchen um Törtchen, bis wir restlos ausverkauft sind und meine Füße mich umbringen.
Als Ella hinter dem letzten Kunden die Tür abschließt, bin ich bereit fürs Bett. 
 

Sabrina Hira
c/o Autorenbetreuung | Caroline Minn
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©2020 Sabrina Hira_Autorin

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